Die
Dreipunktlagerung mit einer Querwippe ist zum
Nachrüsten älterer Fahrzeuge nach meiner
Ansicht die beste Lösung. Hierbei kann die
zweite Achse fest im Fahrzeugrahmen gelagert
bleiben. Aus diesem Grund möchte ich den
Umbau am Beispiel eines regelspurigen Güterwagen
beschreiben. Die Zeichnung zeigt die Konstruktion
für einen Regelspurradsatz. Da die Funktionsweise
und der Aufbau grundsätzlich identisch sind,
ist die Konstruktion für andere Spurweiten
und Maßstabe verwendbar, es müssen
nur die Maße auf die jeweiligen Radsätze
und Fahrzeuge angepasst werden. Ich kann mir
z.B. gut vorstellen, dass so umgebaute LGB- Fahrzeuge
neben einer wesentlich besseren Optik durch die
niedrigeren Spurkränze auch sehr gute Laufeigenschaften
aufweisen.
Die Abmessungen der Brücke in der Zeichnung
ist für Radsätze nach unserem Standard
S02. Die Buchsen, in denen der Radsatz gelagert
ist, kann man aus Kunststoff (Teflon) oder
Messing anfertigen, alle anderen Teile bestehen
aus handelsüblichen Messingprofilen.
Das Material ist in fast jedem Baumarkt zu
bekommen. Benötigt wird:
Flachprofil: 10x2 mm
Winkelprofil: 10x10 mm
Blech: 0,5 mm
Rundmaterial: Dm 1,5 mm
Rohr mit Innen-Dm von 1,5 mm
Zunächst
werden alle Teile entsprechend der Zeichnung
zugeschnitten und entsprechend gebohrt. Für
die Positionierung der Drehachse wird in
den Querträger mittig eine Rille eingefeilt
oder gefräst und zusätzlich ein
Langloch eingebracht. In dieses wird die
gebogene Achse eingesteckt und verlötet.
- ohne diese Formschlüssigkeit ist die
Verbindung (weichgelötet) nicht sehr
lange haltbar. Man darf hier die beim Fahren
entstehenden Kräfte und Momente nicht
unterschätzen!
Nach
dem der erste Schenkel an den Querträger
- mit dem Winkel zur Stabilisierung der Verbindung
- verlötet wurde, werden die Buchsen und
der Radsatz montiert. Die Buchsen sollten in
die Schenkel eingeklebt werden. Bei Verwendung
der Radsätze nach unserem Standard S02 müssen
die Achsstummel auf 5mm gekürzt werden.
Der zweite Schenkel wird bei montierter Achse
verlötet. Es besteht natürlich die
Möglichkeit den zweiten Schenkel auch mit
dem Querträger zu verschrauben. Die Achse
könnte somit auch zu einem späteren
Zeitpunkt z.B. nach dem Lackieren eingebaut werden.
Der
nächste Arbeitsschritt ist das Aufstecken
der Rohrstücken auf die Drehachse der Brücke
und die gesamte Baugruppe auf der Grundplatte
mittig auszurichten und zu verlöten. Die
Rohrstücken werden dabei ganz bis an den
Querträger geschoben. Achtung! Zwischen
das Rohr und der Drehachse darf kein Lötzinn
gelangen, diese Verbindung muss beweglich bleiben.
Nach dem Verputzen und säubern ist die Wippe
schon einbaufertig.
Am
Fahrwerk müssen nur kleinere Veränderungen
vorgenommen werden. Alle Profile zwischen den äußeren
Langträgern müssen symmetrisch zur
Achse auf einer Länge von 11 mm entfernt
werden. Um die richtige Pufferhöhe nach
IG Spur II Standard S08 - entsprechend dem Vorbild
47,1 mm - zu erreichen muss gegebenenfalls zwischen
der Grundplatte der Wippe und dem Fahrzeugboden
Material untergefüttert werden. Es ist darauf
zu achten, dass die Pufferhöhen an beiden
Wagenenden gleich sind. Nun kann die Wippe mit
dem Fahrzeugboden verschraubt werden. Der
"Kippelweg"
ist jetzt noch recht groß, 2 mm reichen hierfür
völlig aus. Um den Kippelweg einzuschränken
werden unter beide Enden gleichdicke Distanzstücke
befestigt. Gemessen wird der Kippelweg indem die Brücke
auf einer Seite bis auf das Distanzstück runter
gedrückt wird. Auf der anderen Seite entsteht ein
Abstand zwischen dem Distanzstück und der Brücke
und dieser muss ca. 2 mm sein.
Beim
Einbau der Wippe ist auf die Freigängigkeit
zu achten, sie darf sich in ihrem Bewegungsraum
nicht verklemmen. Gegebenenfalls muss am Achshalter
noch Material weggenommen werden. Vor
dem entgültigen Einbau braucht die Wippe
nur noch etwas Farbe. Die Optik und Betriebssicherheit
der so umgerüsteten Wagen ist allemal
den Aufwand wert und sehr schwierig ist der
Umbau auch nicht. Im Bild ist ein so umgebauter
Wagen zu sehen.
Es
gibt u.a. auch Wagen mit Kunststoffachsen und
einzeln kugelgelagerten Radscheiben. Wer solche
Wagen auf die beschriebene Weise umbauen möchte,
kann auf die Buchsen verzichten und kann die
Brücke kürzer ausführen. Es
ist völlig ausreichend die gekürzte
Achse direkt in der Brücke zu lagern.
Bei Verwendung dieser Achsen müssen bei
den Radscheiben nur noch die Spurkränze
abgedreht werden.
Wen
nun die breiten Schenkel der Wippe - der zwischen
Federpaket und Längsträger sichtbar
ist - stören, kann in diesem Bereich die
Schenkel rechteckig aussparen. Die verbleibende
Stegbreite von 1,5 mm reicht von der Festigkeit
her aus. Die Kanten des Schenkels und dessen
Ausschnittes werden alle verrundet. Mattschwarz
lackiert kann sich kein Licht an diesem Teil
spiegeln und es verschwindet förmlich,
so dass man die Stege kaum noch war nimmt....
Und nun wünsche ich viel Spaß beim Umbau. |